Viele Fischarten können sich heute nicht mehr auf natürliche Art und Weise reproduzieren. Fehlende Laichplätze durch bauliche Eingriffe in den natürlichen Flusslauf spielen hierbei eine große Rolle. Die fortschreitende globale Erwärmung wirkt sich ebenfalls negativ aus. Sie führt mitunter zu stark schwankenden Wasserpegeln und einem Anstieg der Wassertemperatur was dazu führt, dass sich sensible  Arten in ihrer natürlichen Umgebung nicht mehr ausreichend fortpflanzen können.

Fischerfreunde Haimhausen AHP 2019 Barben

Artenhilfsprogramm, Barben für die Amper

Die Folge ist ein starker Rückgang der allgemeinen Populationsdichte und der Artenvielfalt in unseren heimischen Gewässern. Arten wie Barbe, Nase, Nerfling und Huchen werden immer weniger. Dies hat Folgen für das gesamte Ökosystem am Fluss. Auch die Bestände der Quappe, in Bayern Rutte genannt, nehmen permanent ab. Artenhilfsprogramme, kurz AHP, sollen helfen, Arten in der Region wieder zu etablieren.

Im Rahmen eines solchen AHP haben die Fischerfreunde Haimhausen im Oktober Barben, Nasen, Nerflinge und Rutten gesetzt. Gefördert wird das AHP vom Fischereiverband Oberbayern e.V., der die Vereine in den Fachbereichen berät und finanziell unterstützt. Zusätzlich werden die Projekte auf fachlicher Ebene begleitet. Ohne solche Maßnahmen wären eine ganze Reihe von Fischen in unseren heimischen Gewässern vom Aussterben bedroht.

Fischerfreunde Haimhausen AHP 2019 Rutten

Artenhilfsprogramm 2019, Rutten für die Amper

Beispiel Barbe: Diese steht zwar nicht auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzorganisation IUCN, wird jedoch in Deutschland als Verantwortungsart geführt, die eine Ergänzung zur „Roten Liste“ darstellt. Der Bestand der Flussbarbe, Fisch des Jahres 2003, galt in den letzten Jahren als stark rückläufig, erholt sich aber langsam wieder. Die Barbe ist der Leitfisch einer in der Fischereibiologie nach ihr benannten Gewässerregion, der Barbenregion. Die Amper wird in weiten Teilen zu dieser Region gerechnet.

Die Nase wird heute in der Amper ebenfalls nur noch sehr selten angetroffen. Barbe und Nase sind typische Schwarmfische, die früher massenhaft in der Amper auftraten. Ohne AHP könnte auch ein Fortbestand von Nerfling, oftmals auch als Aland bezeichnet, in der Amper nicht länger garantiert werden.

Dies gilt auch für die Rutte, die besonders in warmen Jahren mit hohen Wassertemperaturen zu kämpfen hat. Die einzige Süßwasserdorschart ist ein Winterlaicher und bevorzugt Wassertemperaturen bis maximal 18 Grad Celsius. Die Rutte laicht bei 0,5 bis 4 Grad Celsius. Wenn man bedenkt, dass die Amper 2015 einen Maximalwert von fast 28 Grad Celsius erreicht hat und selbst die Barbe, der Leitfisch dieser Gewässerregion kaum mehr als maximal 30 Grad Celsius toleriert, kann man sich vorstellen, was hohe Temperaturen für weniger temperaturtolerante Arten wie die Rutte bedeuten. Langfristig kann der an Bestand vieler Fischarten und die Artenvielfalt in der Amper nur wieder erhöht werden, wenn mehr geeignete Laichplätze geschaffen werden. Darüber hinaus muss die Gewässerstruktur in strukturarmen Abschnitten deutlich verbessert werden.

Fischerfreunde Haimhausen AHP 2019 Rutten

Artenhilfsprogramm 2019, Rutten für die Amper

Die Fischerfreunde Haimhausen setzen sich auch hierfür ein. Zusätzlich zum Besatz mit Barben, Nasen, Nerflingen und Rutten ist ein Besatz mit Huchen vorgesehen. Diese Fischart, die ebenfalls durch das AHP des Landesverbandes Oberbayern e.V. gefördert wird, war vor Jahrzehnten in der Amper häufig anzutreffen.

Der König der bayrischen Flussfische, der auch gerne als Donaulachs bezeichnet wird, kann unter optimalen Bedingungen über 150 Zentimeter lang und bis zu 50 Kilogramm schwer werden. Der Huchen, Fisch des Jahres 2015, wird in der Roten Liste geführt und gilt als „stark gefährdet“.

Alle Fische stammen aus Fischzuchtbetrieben, die in enger Verbindung mit dem Landesfischereiverband Bayern e.V. und Landesfischereiverband Oberbayern e.V. stehen.

Text/Fotos: Boris Baumann